Bezirksoberliga Lüneburg 2009/2010

 
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Günther Volker Stadion
Dienstag, 08. April 2008 um 09:03

Angesichts des maroden Zustandes zahlreicher Sportstätten blicken viele Vereine mit Bewunderung und etwas Neid auf das Bauwerk an der Aller. Die Spieler schwärmen von der hervorragenden Atmosphäre, wenn die Ränge gut besetzt sind.

Grund genug also, einmal genauer die Historie der Stätte so vieler Fußballfeste zu beleuchten. Den Platz und das markante Vereinsheim erbauten Mitglieder der Freien Turnerschaft von 1899 in Eigenleistung zwischen 1923 und 1928. Im Herbst 1945 fanden die Sportler von TuS Celle, hervorgegangen aus der 1933 verbotenen Freien Turnerschaft und der Spielvereinigung von 1921, hier ihre Heimat. Hatten die 21er bis 1944 nur einen Katzensprung entfernt am Rotthagen hinter den Ball getreten, entwickelte sich der TuS-Platz binnen weniger Wochen zum neuen Mekka des Celler Fußballsports.

In den ersten Jahren nach dem Krieg umlagerten bei Heimspielen von TuS Celle Tausende von Fußballfreunden noch einen einfachen Sportplatz. Bis an die Außenlinien standen die Fans dichtgedrängt - wer nicht rechtzeitig kam, sah nicht viel.

Am Pfingstmontag 1951 war es endlich soweit: Vor dem Sportheim war eine Arena entstanden, die nun endlich die Ansprüche eines Amateuroberligisten erfüllte.

Rund um einen ebenen und gut gepflegten Rasen zog sich eine Bande, die den Sponsoren Platz bot, sich zu präsentieren. 300 Zuschauer fanden nun Platz auf der - noch unüberdachten – Sitztribüne.

Eine Böschung erlaubte von drei Seiten eine vorzügliche Sicht auf das Geschehen für insgesamt rund 10000 Besucher. Die Laufbahn rund um den Platz war verschwunden. Zurück blieb eine 100-Meter-Bahn mit Sprungkuhle, die Jahre später ebenfalls weichen musste – für ein reines Fußballfeld.

Im April 1963 ging der TuS-Platz in städtische Verwaltung über. Im gleichen Sommer erhielten die in die Jahre gekommenen Umkleideräume im Keller des Sportheims eine umfassende Sanierung – vielmehr tat sich lange nicht. Der Aufstieg in die Regionalliga weckte neue Begehrlichkeiten.

Noch im Sommer 1968 ließ das Sportamt eine kleine unüberdachte Tribüne neben dem Sportheim errichten.
Schon 1971, als man bei TuS Celle nicht nur hinter vorgehaltener Hand über die Machbarkeit einer Teilnahme an der geplanten 2. Bundesliga nachdachte, forderte der TuS-Vorsitzende Günther Volker die Stadt als Besitzerin des TuS-Platzes auf, für größeren Komfort zu sorgen. Er regte eine Erweiterung und Überdachung der sieben Stufen umfassenden Westtribüne an.

Die kombinierte Sitz- und Stehtribüne bot 2160 Zuschauer Platz. Sogar ein weiterer Ausgang zur Texasseite wurde erwogen, um dem Schiedsrichter den Spießrutenlauf durch den Engpass vor dem Vereinsheim zu ersparen. Hier war es immer wieder einmal zu unschönen Szenen gekommen, die den Verein manche Geldbuße gekostet hatte. Das Fassungsvermögen des Stadions sollte bei erhöhter Sitzplatzanzahl erhalten bleiben. Die Planungen brauchten dann Jahre auf dem Weg durch Gremien und Ausschüsse, verschwanden nach dem Abstieg der Mannschaft in die Viertklassigkeit von der Tagesordnung.

Doch durch die wiederkehrenden Erfolge im Sommer 1980 (Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord) war das Thema plötzlich wieder aktuell, nun endlich gab die Stadt dem Drängen nach einer längst überfälligen Überdachung der kleinen Tribüne nach. Im September 1981 entstand für 250.000 DM die lang ersehnte achtstufige überdachte Sitzplatztribüne mit 418 Plätzen, beidseitig flankiert von je sieben Stehplatzrängen, die 1120 Menschen Schutz vor dem Regen boten. Damit war der erste Schritt auf dem Weg zu einem „echten“ Fußballstadion getan.

Die nicht mehr zeitgemäßen Kabinen im Keller des Vereinsheims hatten im Dezember 1989 ausgedient, als ein neues Umkleidegebäude an der Südwestecke des Platzes den Verbandsligaspielern endlich moderne Räumlichkeiten bot. Die beeindruckenden Erfolge der Mannschaft von TuS Celle seit Beginn der Ära Gerber/Rynio veranlassten den Rat der Stadt Celle, nun dem Sportstättenbau in der Herzogstadt die Krone aufzusetzen.

Stadt und Landkreis stellten 2,5 Millionen Mark für das Projekt bereit. Im Stadion an der Nienburger Straße entstand in mehrmonatiger Arbeit auf der Ostseite der Spielfläche eine neue Sitztribüne, die 4000 Besuchern Platz bietet. Tat sich im Frühjahr 1991 noch eine riesige Baugrube vor dem Vereinsheim auf, so wuchs im Sommer allmählich das neue Bauwerk vor der charakteristischen Kulisse des Vereinsheims empor. Der legendäre Balkon, jahrzehntelang der Ort, von dem aus der Stadionsprecher, Prominente, Journalisten und Rundfunkreporter gebannt Siege und Niederlagen der Blaugelben beobachtet hatten, verschwand im Schatten der neuen Ränge. Im August 1991 konnte das Publikum erstmals auf der neuen Tribüne Platz nehmen. Im Zuge der Erweiterung erhielt das Stadion auch eine neue Stehplatztribüne hinter dem Tor auf der Allerseite. Das Tribünenviereck mit einem Fassungsvermögen von 11.000 Menschen war vollendet. Schon im September 1991 genossen 3500 Zuschauer beim U-17-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich internationales Flair in der neuen Arena.

Im November 1991 erhielt TuS vom langjährigen Sponsor „Opel-Maussner“ eine Anzeigetafel, die über der Allertribüne installiert wurde. Anfangs kletterte nach jedem Tor ein Helfer auf die Leiter und tauschte die Stecktafeln aus, seit März 1996 werden Resultat und Uhrzeit elektronisch angezeigt. An einem kalten Freitagabend im November 1992 schließlich erlebten 4500 Fußballfreunde das erste Flutlichtspiel im Stadion an der Nienburger Straße. Die meisten Menschen in der Geschichte der Sportanlage lockte der FC Bayern München im Januar 1996 an. Das Duell des Deutschen Meisters mit dem Tabellenführer der Regionalliga Nord, für das eine mobile Zusatztribüne installiert wurde, sahen 15.000 Fans.

Den Punktspielrekord vom 24. Mai 1969, als knapp 11.000 Zuschauer zur Begegnung zwischen TuS Celle und dem VfB Lübeck pilgerten, stellten am 25. Oktober 1996 ebenso viele Fans ein, die auf den Rängen den ersten Punktspielauftritt von Hannover 96 nach fast 50 Jahren in Celle erlebten.

Zuletzt war das Stadion im Juli 2001 bei einem weiteren Auftritt des FC Bayern beim TuS FC mit knapp 12.000 Besuchern nahezu ausverkauft.

Das erste Derby mit dem Lokalrivalen SV Eintracht Celle nach 56 Jahren am 26. September 2003 sahen 2800 Zuschauer – bundesweiter Landesligarekord und endlich wieder ein großer Fußballabend im Stadion, das inzwischen den Namen des langjährigen TuS-Vorsitzenden Günther Volker trägt.

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